1.000 Plätze für die Ausbildung in türkischen Betrieben Ein Projekt der TD-IHK, Köln

 

Immer mehr Jugendliche können im jährlichen Wettbewerb um das knappe Gut Ausbildung nicht mehr mithalten und driften in die Arbeitslosigkeit ab. Besonders betroffen sind Jugendliche ausländischer Herkunft. Ihre Ausbildungsquote war im Jahr 2002/2003 besorgniserregend auf nur 34 Prozent (Deutsche 64 Prozent) gesunken. Sogar junge Migrant/innen mit guten Deutschkenntnissen und guten mittleren Bildungsabschlüssen haben immer noch weniger Chancen auf dem bundesdeutschen Ausbildungsmarkt als ihre deutschen Mitbewerber/innen.

Auch ein funktionierender "Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland" wird diese Situation nicht von heute auf morgen lösen können. Um die Versorgungslücke für alle Jugendlichen zu schließen und damit gleichzeitig die Jugendarbeitslosigkeit wieder zu senken, ist eine Bündelung aller Kräfte auf allen Ebenen und mit allen Mitteln erforderlich. Bildungsministerin Frau Bulmahn betonte anlässlich des diesjährigen Aktionstages "Migranten bilden aus" am 20 Juli 2004 in Köln: "Deutschland kann sich ein solches gesellschaftliches Pulverfass und die Vergeudung des wichtigsten Kapitals - seine Jugendlichen als zukünftiges Fachkräftepersonal - nicht weiter leisten."

So müssen zum Beispiel noch intensiver als in der Vergangenheit bereits geschehen, Betriebe mit Inhaber/innen ausländischer Herkunft für die betriebliche Ausbildung gewonnen werden. Besonders für die auf dem Ausbildungsmarkt benachteiligten Jugendlichen ausländischer Herkunft gäbe es hier zusätzliche Chancen durch ihre besonderen sprachlichen und kulturellen Kenntnisse.

In Deutschland haben sich ausländische Unternehmen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Zahl der ausländischen Firmeninhaber/innen hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Derzeit gibt es ca. 280.000 ausländische Betriebe mit rund einer Million Mitarbeiter/innen in über 90 Branchen. Die türkischen Betriebe bilden unter den ausländischen Firmeninhabern mit 51.000 Unternehmen den größten Anteil. Türkische Betriebe gewinnen zunehmend auch als Arbeitgeber an Bedeutung. So beschäftigten sie im vergangenen Jahr 265.000 Mitarbeiter/innen, darunter 52.000 deutsche und 28.000 sonstige nicht-türkische Arbeitnehmer/innen.

Die wachsende wirtschaftliche Bedeutung türkischer Unternehmen spiegelt sich jedoch nicht in deren Ausbildungsaktivitäten wider. Nur sechs Prozent der türkischen Unternehmen bilden bisher aus. Gründe für die geringe Ausbildungsbeteiligung sind zum Beispiel ein nur unzureichend vorhandenes Wissen über die Möglichkeiten und Bedingungen des dualen Ausbildungssystems in Deutschland oder die auch von ausländischen Betriebsinhabern nicht zu überhörende allgemeine Kritik an der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Jugendlichen. Neben der Ablehnung der Ausbildung generell spielen auch die betriebswirtschaftlichen Probleme durch zusätzliche Personalkosten eine Rolle. Es fehlt an den Ressourcen zur Bereitstellung entsprechender Ausbildungskapazitäten.

In Bezug auf die Ausbildung ist die finanzielle Mehrbelastung auch durch die Prüfungsgebühren ein negativer Faktor für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in den Betrieben.

Das Projekt der Türkisch-Deutschen Handelskammer basiert auf der Erkenntnis, dass die Mobilisierung des brachliegenden Ausbildungspotentials in türkischen Betrieben in hohem Maße davon abhängt, ob und in welchem Umfang dem ausbildungswilligen Betrieb eine bedarfsgerechte Unterstützung und Begleitung zur Verfügung gestellt wird. Je überzeugender interessierten Betrieben vermittelt werden kann, dass sie an keiner Stelle des Ausbildungsprozesses allein gelassen werden, desto größer wird die Bereitschaft sein, sich auf das "Abenteuer" Ausbildung einzulassen.

Mit dem Projekt der TD-IHK ist die Zielstellung verbunden, durch ein bedarfsorientiertes Angebot des Ausbildungsmanagements türkische Betriebe für die Ausbildung zu gewinnen und somit das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen zu erhöhen und unversorgte jugendliche Migrant/innen in den Ausbildungsmarkt zu integrieren.

Mittelfristig sollen bundesweit bis zu 1.000 Ausbildungsplätze in türkischen Unternehmen gewonnen werden. Zu diesem Zweck gilt es zunächst einen methodischen Ansatz für die Betriebsakquisition und die Ausbildungsbegleitung zu entwickeln. Es wird ein Beratungskoffer entwickelt, der nach dem Projektabschluss bundesweit für die Akquisition und die Ausbildungsbegleitung türkischer Betriebe eingesetzt werden kann. Des Weiteren werden Schulungen für die im Projekt tätigen türkischen Ausbildungsmanager durchgeführt. Die sind zuständig für die Akquisition und Beratung der türkischen Betriebe. Im Rahmen des Projekts werden neben der gezielten und bedarfsgerechten Akquisition und Betreuung von türkischen Ausbildungsbetrieben auch türkischsprachige Informationsmaterialien entwickelt, die nachfolgend bundesweit für die Akquisition und Ausbildungsbegleitung türkischer Betriebe eingesetzt werden können.

Dipl.-Ing. Nihat Sorgeç ist Geschäftsführer des BildungsWerks in Kreuzberg/Berlin und ehrenamtlich in zahlreichen Organisationen wie der TD-IHK Köln und IHK Berlin tätig.